Rednerpult

Mit viel Imponiergehabe,
das war die Antwort auf deine Frage,
wer leben darf,
wer nicht?

Unterschreibe ich nicht
zur Gänze,

die Dame von Sindelfingen war unerträglich schrecklich,
sie kreischte nur noch
in einem Bayrisch,
das ich nicht verstand.

Aber sie war standhaft,
sie ließ sich nicht abspeisen,
das ist Bayern wohlbekannt,
die Bayern haben Hörner
im Gesicht.

Dann braucht man auch gar nicht tief zusammenzuhängen
mit ihnen,
Höder gibt auf,
Rhetorik flach,
er atmet,
er hechelt
nach Luft.

Er bleibt standhaft
auch,
nachdem er tief Luft geholt hat.

Die Leute wollen mehr
Gerechtigkeit,
ja, fickt euch selber,
schrien sie,

die Regierung macht mit,
wir nicht!

Fresst eure Entscheidungen selber,
Maßnahmen
gehören sich nicht
in einer Demokratie!

Seine Worte dagegen
hinterlassen einen bitteren Geschmack
auf der Zunge,
er haut es raus,
Höder im Rausch
seiner Rhetorik.

Alles wild durcheinander,
die Welt,

sagt er,
und wenn die Kids sagen,
wir möchten noch einen Kaffee,
dann wird hinaufgegangen
und einer geholt.

Gott ist großzügig,
das Höder-Paneel nicht,
Einkommen und Ausgaben
klaffen auseinander,
eklatant
in München.

Er geizt mit dem Geld,
dieser Politiker,
er hält es zusammen,
die Sozialausgaben schrumpfen.

Interessanter als ein Kintopp,
Neustart verpasst,
Bayern geschasst
in die Zukunft,
in den Himmel,
wo keiner kontrollieren kann,
was er sagt,
dieser Politiker.

Wo die Worte finden,
die passend sind?
Ich-weiß-es-nicht
kann er sich nicht eingestehen.

Dreiste Aussichten,
Bayern ist reich
und platzt aus allen Nähten.

Die Welt stimmt
in seinen Augen,
dieser Höder
phantastisch simpel.

Und der Kaufhausrausch
stimmt mich traurig,
die Tochter blau genägelt.

Sie macht auf chic und dreht sich vor der Kamera,
es hat ein Schickeria-Zeichen auf der Stirn,
das Mädchen.

So jung wie es ist,
kauft mich!,
sagt es
zum Schluss
der Reise
durch die Stadt,
die München ist.

Und alle müssen weinen,
was schiebt sich da nach oben,
wer
in die Kamera
der öffentlichen Medien?

Es ist so billig,
so billig anzuschauen,
es tut so weh in den Augen.

Die Kinder von den ganz schlauen
Eltern
steigen ein ins Pornogeschäft,
so Evan Muellberghs Tochter.

Menschen, die alles haben,
jede Möglichkeit des Nachdenkens,
des Experimentierens mit dem Leben,
erliegen am Ende dem Almanach
der Sinnlichkeit.

Das ist unsere Kultur geblieben,
unter Niveau
geworden.

Rede im Schatten einer Schönen,
das Kind wächst heran,
wird behütet.

Aber arbeitsam am Gehirn
wird nicht gearbeitet,
die Eltern haben keine Zeit,
keinen Sinn
dafür,
für ihr eigenes Kind
nicht.

Weil ich noch kein Werbefachmann bin,
für diese Form von Lifestyle
fällt mir die Beschreibung schwer.

Es wird so herzlich debattiert wie nötig,
und die Notwendigkeit
ist groß.

Die Kampfansage,
das dangerous System
empörte ihn,
aber er kann nichts ändern,
der Politiker
ist schwach.

Die Sicherheitsvorschriften greifen nie,
es wird gestochen mit dem Messer
im Umfeld von Familien.

Wer kann das machen?
Nur Hyänen, die sich verbeißen
ineinander
vor Neid und Euphorie
für den Wohlstand.

Die Krankenwagen standen schon vor der Haustür,
keiner hat sie gerufen,
die Verwaltungsvorschriften kämpfen nicht miteinander,
sie sind einfach da,
und hurra schreien sie,
wenn sie wollen
auch von allein,
sie gehen uns auf den Geist,
auf die Nerven.

Ich brauche keinen Größenwahn
mit schusssicheren Westen,
ich bin kein Politiker,
pur rassisch verfälscht.

Ein bisschen weiter ausgeholt
und du meinst den Tod,
übertreibst gern ein bisschen
in deiner Not
der Existenzangst.

Bekenntnis zum Leben
nicht schön,
ich würde es auch gern machen,
aber es gelingt mir nicht.

Sturmböen
in den Höhen
des Gewissens.

Höder, deutscher Politiker
Evan Muellbergh, US-amerikanischer Filmregisseur
dangerous, englisch

© Johannes Lichteruh, 2023

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