Ich weiß nicht,
der Kältesturm kommt aus dem Norden
in den Süden,
Kolonialismus vorbei?
Ich denke, nicht.
Es ist meine Pflicht,
das zu sagen,
Afrika will leben
ohne Tandaradei
der alten Kolonialmächte,
die sich wieder melden,
und neue sind dabei,
Russland und China.
Geschichte
hat auch ein starkes eigendynamisches Element,
da muss man warten können
und nicht einfach losrennen,
machen
Politik
mit dem Säbeltrick.
Der Gordische Knoten ist gebrochen
übers Knie,
das Nord-Süd-Gefälle
ist groß.
Das ist eine Parallelwelt
in der Dritten Welt
sogenannten.
Der Norden rennt dem Süden davon,
massiv
mit Elektronik
und künstlichen Menschen,
die schon so geboren werden.
Dafür braucht es kein Labor
wie in Israel oder Australien,
künstliche Ovogenese,
künstliche Spermatogenese,
künstliche Gebärmutter.
Zwangskartelle
ohne natürliche Reinheit,
staatlich gelenkt
reguliert,
um den Fortschritt aufrechtzuerhalten,
der eigentlich ein Niedergang ist.
Fata Morgana Mensch
am Horizont,
der dunkel ist,
sich dunkel einfärbt,
eingefärbt hat
längst.
Es geht schon lange so
für die Menschheit,
was gefährlich ist,
es gefährdet ihren Bestand
an sich.
Ich war verblüfft von seiner Nähe,
ich stand daneben,
der Zeithorizont wird knapp,
Homunkulus wieder auferstanden,
ein Traum des Mittelalters
wird wahr.
Und wunderbar
machen wir alle mit,
weil wir es nicht merken.
Der künstliche Mensch als Ausgangspunkt
und Zielpunkt
wie er einmal war,
geschöpft
wurde.
Die Schöpfung fängt von Neuem an
in unseren Händen,
Gott hat seine Hand im Spiel?
Ich denke ja,
das ist ein Geben und Nehmen.
Das bricht zusammen,
das System,
wenn du willst,
der Mensch kann sich allein erfinden,
er tut es
unentwegt.
Der Supercrash der Moleküle,
wie sie sich wirbeln
gegenseitig,
wie sie tanzen
miteinander.
Wiedergeburt des Menschen
aus erster Hand,
Gott.
Das ist richtig,
das ist das Land,
das ich bereisen möchte
immer,
das ich bereisen will
willig.
Keine Konvergenz
der Systeme,
jeder Mensch für sich
verantwortlich,
für sein Handeln
und Denken.
Geschick, Schicksal,
wie wir es nennen,
mit welchen hellen Sachen?
Ich sehe keine,
mit gar keinen,
mit dunklen,
der Äther ist leer.
Wir schwirren umher,
wir sind die Moleküle,
Kohlenstoffe,
nicht mehr.
In der Tiefe der Nacht,
was wissen wir, wer es gemacht,
der Koitus war es nicht,
er ist nur das Ausführungsorgan
des Menschen.
Mythos Mensch
vielleicht generell
so,
vielleicht,
was wissen wir!
Geburt,
schwere gehabt
meine Mutter,
ich war es,
ihr Sohn.
Der Vater schon,
er wusste schon,
er war das Ausführungsorgan,
der Koitus.
Und beide miteinander
zeugten mich
schon,
als ich noch alleine war
im All,
in einer dunklen Ecke saß
und wartete auf den Koitus,
der mir bestimmt war.
Das Schicksal
vom Schicksal
in meiner ätherischen Einsamkeit,
die schön war,
aber weiter nicht gedeihen wollte.
Ich brauchte die Erde
dazu,
zur weiteren Vervollkommnung
meiner spröden Existenz,
die voller Widersprüche war
und unvollständig.
Dann sprang ich los,
es war ein weiter Sprung,
ein tiefer.
Der Eisprung meiner Mutter
fing ein,
was mein Vater ihr ließ
an Sperma.
Und die kleinen Flocken,
die fleißigen, die emsigen
dockten sich an,
das Ei akzeptiert.
Perfekt, sie wurde schwanger,
meine Mutter sang ein Lied davon,
denn, noch bevor ich geboren wurde,
mein Vater sie verließ,
das war schändlich.
Er hatte ihr die Ehe versprochen
und war doch verheiratet,
hatte Kinder
und eine Frau, die den Braten gerochen
hatte.
Sie wollte meine Mutter verklagen
wegen Ehebruchs,
meine Mutter, jung und unschuldig,
wusste gar nicht, wovon sie sprach,
sie verstand gar nichts
von dieser Frau,
die sie einschüchterte
mit juristischen Kenntnissen,
und landete in der Psychiatrie
auf dem Scherbenberg
in Schwerin.
Das war zu viel,
viel zu viel für ihr Gemüt,
das stabil war
bis zu jenem Tag,
an dem sie ihr Herz verlor
an diesen Mann,
als sie die Wahrheit erfuhr
über einen Mann,
den sie liebte.
Geliebt hatte,
denn er war schön,
sie wollte ihn haben,
wie sie mir sagte,
später gestand.
Er hatte etwas Verwegenes,
eine flotte Hand,
wenn es um Sex ging,
fasste sie an,
und sie gab nach.
Ich war das Ergebnis
von einem One-Night-Stand,
ein Kind der Liebe,
wie sie mir sagte.
Später gestand sie mir,
da war ich schon Mitte 20,
dass sie ihn noch immer liebte,
und sang die Lieder,
die aus dem Radio drangen
der 50er Jahre.
Sie hatte sie behalten,
jahrelang
für ewig.
Kitschige Schlager,
in denen es um Liebe ging,
aber für sie von Gehalt
sehr wichtigem
waren.
Die arme Frau,
wie ich sie heute sehe,
eigentlich starb sie damals schon
an diesem Mann
und nicht erst 60 Jahre später.
Johannes Lichteruh, 2023