Das Freitag-Essen,
wer ist besoffen
von der Chutba,
die schrill durch den Lautsprecher
kreischt
über die Straße?
Bis in meine Wohnung
hinein
höre ich das Geschrei,
das kein lieblicher Gesang mehr ist,
aber Agitation
im besten Sinne des Wortes.
Denn diejenigen
glauben es schon,
die da zuhören
demjenigen, der da brüllt
ins Mikrofon.
Der Leichenvorrat
frisst sich auf,
kniend und betend
der Kadavergehorsam
stumm.
Wie gestaltet sich die Zukunft?
Keine Kultur,
keine Moral.
Nur Scharia-Gesetz,
Finger abhacken und ganze Hände
für Diebstahl,
das Langfingergesetz.
Das Geheule im Monitor,
und Scheich Ahmad von der Azhar
beschreibt,
wie man das Bad betritt
mit dem Koran in der Hand,
sittsam
das Toilettenhäuschen.
Das ist wichtig
in einer Welt von Kriegen,
glauben sie, die Sittenwächter
der Hohen Pforte.
Istanbul gibt es nicht mehr,
es ist wieder Konstantinopel
geworden.
Der Handel geht weiter,
die Inflationsrate auch,
es hat sich nicht viel verändert
bis auf die Ideologie,
sie ist eine islamische geworden.
Es ist alles so traurig,
wenn es nicht lustiger wär,
die Frau mummt sich ein
in dicke Gewänder.
Bei 30 Grad Temperatur
über dem Meeresspiegel
kein kühlendes Nass.
Und wenn sie die Wäsche aufhängt
auf dem Balkon,
schnallt sie den Nikab über,
denn keiner soll sehen,
wie schön sie ist.
Meinen die Männer
eifersüchtig
und meinen ihre Frau,
die ihr Besitz ist.
Ihr Eigentum
die Kinder auch,
die sie ihm gebiert,
ihm, denn darauf legt er wert,
der stolze muslimische Mann.
Es ist der Kultur-Stopp,
der mich stört,
bis auf den Reichtum fossiler Rohstoffe
fällt es der islamischen Welt
schwer,
Kultur zu generieren.
Orientieren an der westlichen Welt
will man sich gern,
aber genuin tätig werden
fällt schwer
und zur Zeit ungünstig aus.
Es ist eine zurückgebliebene Welt,
ja, der Glaube, der Glaube!
Ich bin auch dazu bestellt,
ein Mensch zu sein
ohne Glauben.
Die Hälftigkeit ist Kultur
und Staatsphilosophie,
Europa hat es vorgelebt
bis in unsere Tage.
Wohin das führt,
zu Fortschritt in Gedanken
und Moral,
jeder entscheidet für sich,
seine Individuation.
Und da gibt es kein Damoklesschwert,
das niedersaust,
Behördenquatsch
und Staats-Ingrimm.
Ich entscheide mich selber
für mich,
für mein Leben,
wie ich es gestalte.
Was ich anziehe,
was ich esse,
mit wem ich ausgehe,
Freundschaft pflege.
Und mit wem ins Bett,
ist alles meine Sache
individuell,
keiner kann mir reinreden.
Was ich studiere,
welchen Beruf ich wähle,
ich muss nicht das machen,
was der Vater macht.
Der Rammelalte,
wie Gottfried Benn gesagt,
in Anspielung
auf Freuds Ödipus-Komplex
wahrscheinlich,
der Tripper genügte ihm
im Vergleich.
Aus vollen Rohren klingt schon seltsam,
dieses Geschrei Allahu Akbar
voller Erfolg
vor 1400 Jahren war,
aber heute?
Mensch, Leute, denkt doch nach!
Die Separierung
eines Glaubens und der Ethnie
ist Atavismus pur,
passt nicht in diese Kultur,
die wir heute brauchen,
den aufgeklärten Menschen.
Wenn du dann als Mädchen geboren wirst,
hast du doch die Brille auf,
zwangsverheiratet kannst du werden
im Urlaubsjoch.
Von Island bis Jütland
ist Afghanistan nicht zu fern,
hilft dir keiner.
Du wirst zurückgeschickt nach Afghanistan
oder in den Jemen,
in schmutzige Verhältnisse,
die du nicht gewohnt bist.
Es ist doch eine Katastrophe,
dieser Islam,
du bist Gefangener
deiner selbst.
Du kannst nicht ausbrechen,
denn darauf steht die Todesstrafe,
oder Steinigung,
kommt auf dasselbe hinaus.
Gewonnen die gute Absicht,
ein Mädchen zu sein,
fällt schwer
im Islam.
Bitte, konvertiere bloß
zum Christentum,
und die Wege sind frei,
die du im Leben gehen willst!
Talitha qumi!
Die grüne Oase gibt es nicht
in ihrem Leben,
wir müssen auf ihre Auferstehung warten.
Wenn das lebendig begrabene Mädchen
aufersteht,
wieder lebendig wird,
so wie es unter uns lebt,
leben kann,
ist die Zeit gekommen.
Ein Koran-Zitat,
das ich brechen kann
aus der Bibel auch.
Halleluja,
talitha qumi, talitha qumi,
dreimal gesagt.
Die Helm-Masche,
wer hat recht,
wer hat nicht recht,
wer hat den Hut auf
in dieser Sache,
zu beurteilen?
Not im bizarren Wurfgestein,
einen Jahrtausende alten Komplex zu steinigen,
das Weib.
Dein Traum,
die Formen eines jungen Mannes annehmen zu können,
diese Edelposten
im Männlichsein.
Das innere Auge schafft den Motor ab
der Vermehrung,
es ist ein Substitutionsprozess
männlich und weiblich,
mehr nicht.
Mach dir keine Sorgen,
und schon übermorgen
bist du weiblich
wieder.
Die Hysterie
kehrt wieder zurück,
als Grundschuldwerk leisten,
das wär schön,
wunderschön
gutes Recht.
Nicht tote Maske, die Leute,
ich bin siebzig,
weit über siebzig
im Herzen
auch.
Ich mache mir nichts vor,
ich bin alt,
greisenhaft,
ich gehöre unter die Erde,
Feuer dazu.
Identität gehört dazu,
das zu sagen,
nicht wahr?
In unseren Tagen,
wo man jung sein muss,
um dazuzugehören,
alter weißer Mann.
Blut ist die hungrigste Stadt in meinem Leben,
sie liegt in meinem Herzen
und hat noch keine Geografie lokalisiert
in meiner Seele,
Gott sei Dank.
Ist zu gegensätzlich,
Mann oder Frau,
ich will beide haben.
Die Klammer
in meinem Herzen
bricht auf.
Ich stelle mich auf eine Seite
nur,
aber Krieg gibt es deshalb noch lange nicht
zwischen den Geschlechtern.
Übertragen auf die Weltlage
die Sicht bleibt klar
auf die Dinge.
Johannes Lichteruh, 2023