Meer vor Hurghada

Hier bist du irgendwo,
die Meere sind verbunden,
von deiner Asche keine Spur,
ich hab sie nicht gefunden.

Die Gelegenheit
war viel zu traurig,
ein Opfer dir und mir,
ein bisschen Pech.

Das hat euch so vorgeblitzt,
eine Ehe ohne Kinder,
die vor Gefahren schützt
der Einsamkeit.

Doch es kam anders,
du studiertest Medizin
in Halle und alle Studenten
waren gefangen in diesem Arbeiter-und-Bauern-Staat.

Ich hatte mein Leipzig,
faul und inkompetent waren die Dozenten
aus Syrien und dem Irak,
mein Arabisch litt stark.

Sie waren politische Flüchtlinge
der Linksideologie,
das mochte der Staat,
entsprechend war die Auswahl der Studenten.

Wie ich dort reinkam, ist mir ein Rätsel,
die Aufnahmeprüfung bestand ich mit Glanz,
sie wollten mich haben ganz
in dem Arbeiter-und-Bauern-Staat.

Das Kalkül mit der Kindheit
funktionierte nicht,
nur ein Gedicht
brach alles auf.

Ich musste hier weg,
die Irrationalität meiner Gedanken
brachte das System in Gefahr,
ich wusste das, wird schwanken.

Das war 1981 eine schwache Leistung,
ich war 28,
aber der Durchblick, den andere hatten,
führte nicht zur Ausreise.

1984 war es dann endlich so weit,
man ließ uns ziehn,
wir landeten in der Schellingstraße in München,
und das war viel.

Meine Frau ein Gerippe,
ich siegte in meiner Manneskraft
und zeugte ein Kind,
das war falsch.

Sie wurde schwach und schwächer,
das Stasi-Problem beeinflusste sie besser,
vielleicht begann damals der Tod,
der Rest des Lebens war nur ein Trost.

© Johannes Lichteruh, 2020

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