Dichtung und Wahrheit

Wer hat den Einmalkuss gegeben?
Aufgeweckt
bist du jetzt,
und wie verhext
bist du
normal.

Die Recherche hat ergeben,
Wiesenblümchen,
Lyrik
ist nicht dein Geschmack.

Dann musst du aufs Ganze gehen,
und aufs Ganze besehen,
ist das schön.

Dein Körper ist willig
und dein Geist auch,
und es wackelt das ganze Haus
nicht mehr,
deiner Seele.

Hast du den alten Mann gesehen
heute an der Küste,
er war ein Gottesgeschenk.

Nicht nur, dass er mit Tieren sprechen konnte,
wie er behauptete,
sein Alter war enorm
für hiesige Verhältnisse
in Ägypten.

85 Jahre,
und stieg täglich gern ins Meer,
um Fische zu fangen
mit seinen Händen.

Du halfst ihm heute,
das schwere Fischernetz
an die Straße zu tragen,
wo ein Taxi wartete
auf ihn.

Das ist schön,
er sprach von Gott
und Adam und Eva,
und dass wir alle ihre Kinder sind.

Koran, Bibel und Tora,
er war belesen,
sein Englisch war perfekt.

Er verstand auch gut, was ich meinte,
als ich mich verabschiedete
mit einem Gruß,
Rabbuna maak.

Vielleicht übertrieb er ja,
seine Katze könnte mit ihm sprechen,
sie sagte: ich liebe dich,
als seine Frau starb.

Verstorben war,
seine Stimme piepste nur,
so alt war er.

So sollst du deinem Leben ein Ende setzen
mit diesem Satz,
ich liebe Gott.

Und dass er die Welt erschuf,
war sein Schatz,
die Reserve
für zukünftige Generationen.

Mit Adam und Eva
Anthropologie schick gemacht,
das Wissen,
das weise.

Nichts so gemütlich gesagt
wie jetzt
ohne Anstrengung,
geduldig ist das Papier
wie unsere Hirne
und die Gestirne dazwischen,
die wir uns ausdenken,
der Vater bleibt beliebig dabei.

rabbuna maak, aus dem Arabischen: unser Gott ist / sei mit dir

© Johannes Lichteruh, 2021

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