Two Chapters

Chapter One

Gott sei Dank muss ich nicht arbeiten,
das Glück,
ich bin Rentner
in Übersee,
in Ägypten.

Der AfD-Mangel
hier
stört mich nicht.

Kein Gerangel
der Worte,
kein schnoddriges Wort.

Ich bin an jedem Ort glücklich
hier,
ob in Dendera
oder Luxor.

Die Welt gefällt mir hier
sehr,
und dann das Meer,
das weite,
das sich Rotes nennt,
aber nur ein sprachliches Missverständnis kennt,
denn reed ist nicht rot,
aber Ried, zu Deutsch.

Müsste eigentlich Schilfmeer heißen
das Rote Meer,
Erkenntnis ist nicht schwer,
und leicht zu bewerkstelligen
die Korrektur
und mehr im Leben.

Die Engländer haben vieles zerstört,
auch der Name der Stadt ist falsch geschrieben,
in der ich lebe
zur Zeit.

Die Ägypter lassen es sich gefallen,
koloniales Erbe,
sie ändern nichts um,
auch wenn die Buchstaben fallen
in die falsche Richtung,
denn Hurghada ist nicht Rurdaqa.

Sei’s drum,
die Uhren laufen langsam
in Ägypten.

Irgendwann wird es jemandem glücken,
wahrscheinlich einer identitären Bewegung,
dass alles falsch war und geändert werden muss,
wie in Europa
die Wokeness
dafür sorgt.

Ob Ägypten sich Europa borgt?
Manchmal habe ich den Verdacht,
die Medien sind voller sexueller Anzüglichkeiten,
und Handy-Verkehr angesagt
an vielen
Orten und Ohren.

Auch Augen sehen viel,
der Porno-Dienst feiert Urständ,
aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten
kommen die Leute in die Hauptresidenz
der Sünde,
in Urlaubstagen,
um endlich einmal frei in einem Kairener Hotel
sich auszuleben.

Sexualität ist auch dabei,
ich habe es erlebt,
die Mädchen tanzen auf den Tischen,
die Jungs verkaufen sich in den Diskotheken.

Das ist normal hier, wurde mir gesagt,
Moneten müssen fließen,
wie auch immer,
wo auch immer,
mit wem auch immer
ist kein Problem,
ما فيش مشكلة .

Ich muss jetzt gehen,
mir gefällt das nicht,
das Leben in Nord-Afrika.

Zu dumpf die Attitüden,
zu langsam der Trott auf den Trottoiren,
ich laufe schneller,
auch geistig.

Ich will hier raus,
ich will nach Haus
auch politisch.

Wo ich frei bin,
in Deutschland,
wo ich meine Meinung
sagen kann
frei.

Das ist ein hohes Gut,
weiß ich, lernte ich hier zu schätzen
auf einer Polizeistation,
als ein Junge geprügelt und angeschrien
wurde.

Die Mutter stand unentwegt in einer Ecke
und durfte sich nicht setzen,
das war demütigend zugleich,
die Sippenhaft zu sehen,
wie sie funktioniert
in Ägypten.

Ich verstand nicht, worum es ging,
das Zimmer war in einem Innenhof gelegen,
eine Zelle, schlecht isoliert,
die Schreie kamen von dort,
jeder sollte sie hören,
das war die Absicht.

Der Vorwurf كلامك , كلامك
des Beamten, der schrie,
erschütterte mich
bis ins Knochenmark.

Ich hatte Angst
wirklich,
tatsächlich,
in dieser Situation
des Zuhörens nur.

Obwohl ich kein ängstlicher Typ bin,
wir sind das nicht gewohnt in Europa,
die Willkür der Polizei aus dem Nichts heraus,
kein Anwalt hier, der hilft,
die Leute sind ausgeliefert
der Polizeigewalt,
wie schrecklich!

Und des Staates
darüber,
die Hand,
seine Hand,
die Faust,
keiner hilft,
wenn du einmal in dieser Mühle drin bist.

In Trauer zurückgelassen das Land,
das ich einst liebte,
ich kann es nicht ändern,
ich bin politisch.

Das Zoon politikon, das ich bin,
begleitet mich immer,
ich sehe die Welt kritisch,
nicht nur mit den Augen der Ästhetik,
die ich unbedingt auch wahrnehme,
immer.

Die Menschen sind elegant hier,
sie haben phantastisches Haar,
einen Teint, der jeden Kosmetiksalon sprengen würde,
der Chef würde arbeitslos
in Europa.

Sie sind intelligent, lustig,
die Mentalität der Ägypter
gefällt mir überaus.

Charmeure
smart,
da kann geschehen was will,
sie bauen sich ein Haus der Gemütlichkeit,
der inneren Ruhe.

Und sind freundlich
allermeist,
auch zu den Ausländern,
wie ich einer bin
hier.

Wenn ich es doch nur hätte,
das Gefühl wie von Anfang an,
als ich hierherkam
frei und beschwingt
ohne Sorgen,
aber jetzt denke ich schon an Übermorgen,
wie es sein wird, wenn ich sterbe.

Was mache ich wohl
ohne Sorgen, diese,
ist das normal,
hat mich das Leben in Europa eingeholt?

Ein sorgenfreies Europa gibt es nicht,
ich bleibe,
ist mein Entschluss,
in Ägypten.

Das Leben ist eine Chance
hier,
ich werde nicht müde hierzubleiben,
besser, als in Deutschland
zu leiden
unter der Störanfälligkeit
der Politik,
der Wirtschaft.

Unter der impressiven
Politik,
die ich scheußlich finde.

Mich zu beteiligen?
Kommt nicht in Frage,
ich bin doch nicht blöd!

Die Politik ist eine Hure,
geht nach Geld,
geworden.

Hier geht alles seinen gemütlichen Gang,
das bunte Leben
hier
in Ägypten
gefällt mir.

Die Werbung,
die Leuchtreklamen
ungeordnet
durcheinander.

Und es ist Brauch zur Zeit,
die Kleidung eng zu tragen,
nicht nur die Frauen.

Man sieht sein Gemächt,
man sieht ihre Brust,
so dünn die Stoffe auch sind,
den Nippel,
wie er sich aufwölbt
unter der Kleidung
von der Berührung,
der Reibung
unter dem Stoff.

Und die Taschen,
die Handtaschen
trägt man schräg,
die Jungs auf Schulterbreite,
die Frauen so, dass die Träger der Tasche
die Brüste teilen in der Mitte.

Wie in Europa,
das Fleisch quillt hervor,
was will man mehr!

Es gibt keinen Unterschied,
keine Unterschiede
mehr.

Die Menschen sind alle gleich
in ihrer Hektik,
das Fleisch,
sich zu zeigen,
sich zu beeilen,
den anderen zu beeindrucken.

Und der Muezzin schreit
unerklärlich dazwischen,
zum Gebet.

Was das soll?
Die Leute wissen, dass sie beten müssen
und wann,
fünf Mal am Tag,
aber keiner tut es,
hat die Zeit.

Egal, was geschieht in der Welt,
Mord und Totschlag
interessiert hier keinen.

Ob ein Kind stirbt
in der Nachbarschaft,
das Leben geht weiter
wie immer.

Ich kenne keine Reaktion
des Entsetzens
unter den Leuten,
mit denen ich lebe.

Sie lachen,
Galgenhumor?
Egal, was geschieht.

Ob sich jemand ein Bein bricht
oder ein Autounfall,
die herbeigeeilte Menge
gafft
und beratschlagt.

Aber ein Krankenwagen kommt nicht
zur rechten Zeit,
das dauert.

Der Muezzin kommt immer
zur Gebetszeit
heraus aus dem Haus
mit seiner Stimme.

Guck mal, wer da schreit,
sage ich mir,
Allah!

Heraus aus dem Häuschen
wie eine Kuckucksuhr
der Kuckuck,
den es nicht gibt hier.

Ich habe ihn nie gehört,
auch nicht in Waldesgegend,
die ist spärlich natürlich
im Wüstengebiet.

Tiefgefallen,
erschüttert
ich.

Stört mich nicht,
die Fallen dieser Welt
überwinde ich,
überschreite ich
erhobenen Hauptes
souverän.

Du musst, du musst, du musst
die Freiheit dir wiederholen,
wie sie am Anfang war,
das bunte Leben.

Die hole ich mir,
das ist mein Beschluss,
ich freue mich
auf morgen
wunderbar.

Die Sonne, die immer scheint,
die Wolken, die wenigen gerade mal im Winter,
das Meer, das weite, mit seinen Algenstränden,
den wilden, wo ich hause allein.

Ich bin glücklich,
was will ich mehr,
wie alles begann!

Gedanken am Abend, bevor ich schlafen gehe,
mich hinlege
für immer?

Chapter Two

Aber dann der Bumerang
der Seele,
saint sommelier,
die Träume.

Wir haben die Sprache nicht erfunden
zum Spaß,
aber zum Vergnügen?

Ich denke, nicht,
es ist meine Pflicht,
darauf hinzuweisen.

Ich bin Sprachler
im Gedicht,
ich bin das Licht der Sprache,
wenn ich dichte.

Das Wort, schäbig
die Worte?
Ich denke, nicht.

Ich sage es dir ins Gesicht,
sie sind schön,
man muss ihnen folgen wollen,
wenn du sprichst
deine Sprache.

Vielleicht in der Arche
Noah sitzt du,
wenn du sprichst?

Ich denke, nicht,
du bist gerettet
auch ohne Flut.

Die Mitteilung,
und das ist gut
so.

Du sitzt im Trockenen
deines Gemüts
obenauf.

Hast du die Seele festgemacht
in dieser Welt,
der Windkontakt
mit dir selbst.

Das Medienpaket,
das nichts nützt,
tagtäglich
die Nachrichten politischen,
die du konsumierst.

Grand sommelier,
wirst du nicht
dun davon?

Natürlich ist alles lächerlich,
was ich schreibe,
für ein Gedicht
zu dünn.

Aber ich weiß es,
und es gefällt mir
trotzdem,
es ist mir bewusst.

Der Schaffensprozess
ist wichtig,
das Schreiben
bildlich.

Sinnbildlich der Zeilenfall
wie ein Gedicht
aus Malerei.

Und Musik dabei
ist
Komposition.

Wussten Sie schon,
meine lieben Leser?
Es lohnt sich zu lesen,
was immer ich schreibe,
baut auf das Gemüt.

Und das Geblüt
muss nicht leiden,
der Zuckerwert stimmt.

Also zugreifen
auf meine Lyrik,
die ich will
so!

In dieser Form
ungeordnet,
wo bleiben die Verlage,
um mich zu besänftigen,
zu redigieren,
zu glätten?

The side,
the line,
the opposite side,
egal, wie wir es wenden,
ist immer gleich
in unserm Leben.

ما فيش مشكلة , arabisch: kein Problem
كلامك , كلامك , arabisch: deine Äußerung, dein Gerede
saint sommelier, französisch
dun, niederdeutsch: betrunken

© Johannes Lichteruh, 2022

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