Ferien

Es läuft die Bewertung: 2,
du strengst dich für dein Alter viel zu viel an,
du bist kein Mann
der ersten Stunde,
eine Schwimmleistung
der ersten Klasse.

Das Frühkind,
das nervt
irgendwo in einem Pionierlager
in Oppach,
Musik, Musik!
Wir wollen tanzen!

Schinder-Alarm,
Ernst Thälmann,
die Fahnen hisst!

Der Morgenappell,
die Kälte in diesem Gebirge
war klirrend,
die Ideologie, die eingetrichtert,
verwirrend.

Das gemeinsame Essen,
das Päckchen von zu Hause,
der Gruß aus der Ferne,
ich habe mich gefreut,
die Mutter hat geweint,
ihre Kinder immer lernen
den Abstand.

Zu Hause war ein langweiliges Leben,
der Vater arbeitsam,
die Mutter am Geben
Liebe,
doch in den Ferien war man frei,
egal wohin,
der Zustand immer bliebe.

Wir badeten an einem See,
wir fuhren nach Schwerin
zu den Verwandten,
die Ostsee uns gefiel,
der Abschied tat immer weh.

Wir waren Kinder der Straße,
des Waldes,
das Wasser war zentral,
die Wellen, die blauen,
faszinierten uns allemal,
der Sand am Strand
war weich,
wir sanken ein,
die Fahrräder, die wir mitgebracht,
lagen ein Stück weit entfernt.

Was habe ich gelernt?
Die Welt war immer mein,
sofern sie mir gefällt,
die Kinder spielen ihre Zeit,
bis dass die Zeit zerfällt,
die Erwachsenenwelt
interessierte uns nicht,
sie war uns wert wie ein Gedicht,
wir lernten es, oder nicht.

Wir kannten noch keine Existenz,
den Schlag ins Gesicht,
mitten ins Herz,
die Seele verloren,
die Arbeitswelt lag fern,
so dachten wir, erst übermorgen
und fest.

© Johannes Lichteruh, 2019

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