Lebensabschnitte

Verhasst sein?

Ich habe mich zur Zielscheibe gemacht
von den Extrem-Linken bis Rechts-
Außen,
wirst du kein Flash sein
der Erleuchtung.

Halte dich an die Mitte,
die gläubig ist,
nicht die Häcksel,
sie ist nur machtbesessen
und macht aus dem Glauben
ein Geschäft in der Politik,
heiderallala!

Schon wegen deiner Herkunft
aus Ostdeutschland,
erfahrener und komplexer
in der Wahl der Mittel,
denn dein Gegner war ein Staat,
ein ganzer Staat!

Andere Sozialisation
als in der Freiheit
der Mittel
im Westen.

Als in der Wahl der Mittel,
Proteste schließ ich aus,
es gab keine Öffentlichkeit,
um acht schlich jeder ums Haus
und kehrte heim.

Und jedes Haus umstellt
von Staatssicherheitskräften,
die kannten sich aus
in jedem Haushalt.

Gefährliche Milch gebracht,
kein Blut, keine Kraft,
schwach im Herzen,
und diese Schmerzen
nicht ausgedacht.

Gemacht durch Umweltverschmutzung
oder dergleichen,
wir sollten uns die Hände reichen
über Nacht
und bedanken, dass wir es gemacht,
den Kommunismus überstanden,
friedliche Revolution.

Damit fing alles an
und das Gejammer über den Westen,
der so arbeitsam
und Forderungen stellen konnte,
du wolltest ja nicht auf Durchluft schalten
und hierbleiben
in der DDR.

Ausreiseantrag vom Feinsten,
laut und deutlich
und nicht leise
weggeduckt,
du hast es geschluckt,
die Arbeit ging mir flöten
im Seemann-Verlag,
meine Frau studierte Psychologie
und wurde exmatrikuliert.

Was haben sie mit den Menschen gemacht,
die nicht hierbleiben wollten
und bewerten ihre Zukunft!
Blue Jeans verschenken
und meine kostbare Bibel, die Vulgata,
7 Tage hat die Arbeitswoche,
und am achten sollst du ruhn?

Man müsste jetzt einfach weiter wissen,
was zu tun,
die „weinrote Hose“ im Corso,
ein Mann, Germanist?
Der allen Frauen nachstellte,
die ihm gefielen,
und es waren viele,
geriet in meinen Fokus.

Belanglosigkeiten für die Tiefenseele?
Die Sicht war so eingeschränkt,
es geschah zu wenig
auf den Straßen und Plätzen,
er trug aber immer nur diese Hose.

Vati, bist du in der Partei?

Vater missbraucht für die Partei,
er wollte keiner sein,
Genosse,
ein Mitläufer, fein und klein,
und tat es dennoch,
meine Mutter war entsetzt,
hasste sie doch jeden Verein
der Vereinnahmung einzelner Menschen,
dafür habe ich sie geachtet,
respektiert.

Der Zuckerhaushalt
war gefährdet
der Partei
durch solche Personen
wie meinen Vater,
das Denken fiel schwer,
die Parteidokumente
entleerten sich ihren Sinn
selber
durch ihn.

Lizenzkraft
getretener Osterhase,
„ich weiß von nichts,
bin auf der Flucht
auch außerhalb der Feiertage“,
heißes Schokoladefest
unterm Tannenbaum.

Ausländer raus oder rein?

Türken spielten eine Rolle
mit Mond und Sichel
in den Sechzigern,
aber nicht in der DDR,
die Invasion war dort Vietnamesen
vorbehalten
und Algeriern.

In drei Wochen sollte es so sein,
ich sah wieder wie ein Engel aus,
unschuldig und klein,
Verwandlungsmechanismen
vom Feinsten
mich umdrehen,
Ende der Pubertät.

Frontsoldaten geifern,
an der Grenze wird scharf geschossen,
Stacheldraht
auf die Freiheit,
es drängten sich die Schaulustigen
auf einem Treppchen,
um in den Osten zu schauen.

West-Berlin,
das tat weh,
wenn man stand auf der anderen Seite
wie ich
und hatte keine Möglichkeit
beiseite zu gehn
in der S-Bahn,
S-Bahn-Station Friedrichstraße
in den Westen.

Die vielen Ausländer gesehn,
chic und ausgeruht,
„ein Messer wär schön
in ihren Rippen“,
dachte ich,
und dann die geilen Türken,
ohne Rücksicht
auf unsere Mädchen
zu gehn,
das war nicht schön,
mit anzusehn.

Farbe gegen den grauen Alltag?

In dieses Milieu passte ich nicht,
Hannover
ist eine nette Stadt,
aber es muss etwas getan werden
gegen die Langeweile,
Alessandro Mendini
hat sie aufgehübscht
mit einer Bahn-Haltestelle.

Unruhige Nacht?

Den Mund spießig voll,
die ganze Nacht geschrieben,
durchgeschrieben,
ich kann nicht mehr.

Aufgerieben
mit mir selbst,
wo setzt er auf deine Zeit,
der Gott?

Ich weiß es nicht,
das Gefängnis bereit
und das Schafott
der Geschichte,
auf dem ich lande.

Gedanken in der Nacht,
Hilfe! Die Stimmen lassen nicht nach,
ich werde verrückt,
sie geben nicht auf,
so schlau bin ich auch,
nicht darauf zu achten,
aber es hilft nichts,
Seite um Seite füllt sich,
Termine zuhauf
in meinem Gesicht.

Ich organisiere mich
zum Gedicht
erfolgreich,
„schlaf endlich!“,
sage ich mir,
ob du dich arg
fühlst als freier Mann
oder nicht.

Kampf oder Rede?

Du sagtest, Soldiers könnten dort einkaufen,
sie kamen nicht von Seefahrt,
ich schau in dein Gesicht
und glaube dir.

Brauchst du nicht zögerlich zu sein,
um zu kämpfen
für mich.

Aber wie?
Mit Waffen
oder Worten?
Tote?

Ist egal,
die Worte töten nicht,
die Waffen schweigen nicht,
der Hungerleider
bin ich nicht.

Ich will mehr,
Blut,
küss die Hand,
doller!

Das Hasentraining,
der Wettlauf mit der Zeit
vor Ort
mit Facebook.

Wenn das nicht schwimmt,
wird das nichts,
wie schmutzige Wäsche
in der Lauge,
der Kosmetikladen
des Menschen,
was hat das mit Hitler zu tun?
Viel.

Häcksel, deutsche Politikerin

© Johannes Lichteruh, 2020

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