Zwei Dichterinnen und ich

Ich war ihr blind gefolgt,
der Genugtuung
im Herzen,
nicht im Sinn.

Mein Geliebter kam
und gab mir Genugtuung
und gab sich mir hin.

Bis hierher und nicht weiter,
das Herz wurde weit
und auch der Sinn,
ich sah Welten entstehen
und wieder vergehen,
ich sah Äonen
sich überschlagen.

O, Geliebter, nicht ohne Sinn
sandtest du mir von droben
deine Anweisungen!

Das war so schön,
was ich sah,
und sternenklar
wusste mein Herz,
der Schmerz,
der ich immer war,
kam nicht aus Fernen
des Universums.

Er war schon immer
da gewesen,
Sehnsucht
nach dir, mein Gebieter!

Ein Sappho-Gedicht,
ein Gedicht der Else Lasker-Schüler,
ein Mix
von mir in ihrer Art,
ganze Inseln
weggeschwommen
und wie zerronnen
die Träume
davon.

Das ist als Schützenhilfe gekommen für mich,
ein Gedicht vom Feinsten,
und vom Kleinsten
für mich,
ich bin es nicht.

Es sind die beiden Damen,
sie dichten für mich
und wollen sich laben
an meinem Gedicht.

Sie sind tot, die Damen,
aber haben noch immer Ansprüche
an mich,
ich vertrete sie nicht,
ganz sicher!

Ich, Archilochos,
der ich vorher gestorben bin,
vor ihnen!

Mich als Dichter, in Ruhe gelassen
werd ich nicht,
mich erfüllt eine Pflicht,
es immer wieder zu tun,
zu dichten für sie.

Mückenschwärme umfliegen mich,
und eine Fliege neckt mich
niedlich
täglich

Vielleicht sind sie es,
die beiden Dichterinnen,
in meiner Stube.

Keine Lust mehr
zu dichten,
ich spraye umher
das Nervengift der Insektenwelt,
Raid hier genannt in Ägypten.

Der Balkon steht weit offen,
geöffnet für diese Welt,
der Duft verfliegt,
wird schwächer
konsumiert.

Die Fliegen kommen wieder
und mit ihnen die Insektenwelt,
die ich gerade verscheucht
habe.

Mich deucht,
ich mache einen Fehler
gerade fundamental,
das Dichten, wenn auch manchmal schal,
gefällt mir,
ist doch nicht bloß Gerede
fundamental.

Nun weißt du endlich,
was du hast,
einen Dichter-Parnass
in der Antike.

Wie er dir im Traum erschien,
es sollte ein kleines Frauchen blühen
auf einem geflügelten Ross,
hoch zu Ross
mit Schleier vor dem Gesicht,
nicht groß,
es sollte dein Traum sein
vom schönen Leben
in Ästhetik und stolz.

Sie strebte dem Himmel zu
und fand Platz in einem Kästchen aus Holz
in deiner Wohnung,
im Korridor, wo die Wände aufeinanderstoßen
mit der Decke,
im Ixel
eine Ecke
nur.

Nun rätselst du weiter nur
seit Jahren, was das ist,
was du da geträumt hast.

Weißt du, die Hast, mit der du suchst,
lässt dir keine Ruhe,
du wirst es schon wissen eines Tages.

Es hilft dir die Kreativität auf die Spur
richtige,
die Kreativität deiner Worte,
bist ein Dichter nur
und mit dir die Geduld,
die notwendige
für das Gelingen eines Verses.

Warte nur und gedulde dich,
du wirst es schon wissen eines Tages,
يلا بنا ,
منظر جميل .

يلا بنا arabisch: lass(t) uns gehen
منظر جميل arabisch: schöne Aussicht

© Johannes Lichteruh, 2020

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