Stimmung ist wundervoll

Fuck, Habibi, make a good deal!
Ich hielt inne und nahm seine Hand,
drückte sie gegen die Brust, meine,
die brannte vor Lust gerade.

Wie sollte ich sein?
Devot!
Das gefiel ihm.

Er fingerte und nestelte an mir herum,
verdrehte die Augen, ein Seufzer, Genugtuung,
ein Araber, wie ich ihn kannte so häufig,
zu Hause wartet die Frau, und auch die Kinder.

Nicht nur zur Schau, aber die Lust zum Spielen,
die kam von jenen auf Straßen und Plätzen,
in den Basaren, am Strand, egal wo eine Hand kreuzt die andere,
zum Beispiel beim Geldwechsel, Finger, die haften.

Streicheleinheiten von Mann zu Mann,
Küsse und engste Umarmungen,
es war schon neu für mich, das zu sehen,
wie eine ganze Kultur von Männern
nicht genug haben kann nur mit Frauen.

Geschichte hat verschwiegen, dass es ebenso war,
lange Zeit im Mittelalter inmitten Europas,
die Herzlichkeit dieser Art.

Dann schoben sie einen Riegel davor, die Prälaten und Bischöfe,
an den Höfen, in Klöstern ging um die Päderastie,
aber dem Volk wurde sie verboten, das war um 1300.

Ich habe dies geschrieben, damit jeder weiß,
ich bin glücklich damit, ich praktiziere es nicht,
aber es entlastet mich, der Mensch ist frei.

Die Ich-Person in meinem Gedicht bin ich nicht,
es ist mein Logos, mein Ander-Ich,
oder so mein Super-Hirn die Vorstellung spricht,
für mich die Fantasie, ich bin ein Dichter.

Es steht für mich in einer unmöglichen Situation,
wenn ich nachgebe dem Werben
um mich herum.

Ich mache mir Personen, die mein Thema sind, zu eigen,
die zweite Kilo-Hälfte bin ich nicht,
nur ein kleiner Rest an Gewicht von mir,
die Messerspitze vom Eisberg der Kälte in mir.

Ich werde Arabien verlassen, es ist mir zu sinnlich,
zu laut und zu stur in Scharia-Fragen,
die Doppel-Moral mag ertragen, wer will, ich nicht.

Ich wähle das Licht in unseren Tagen, das möglich ist,
und das bin ich, sauber und tadellos Normen zu tragen,
das ist mein Los bis an die harte Kante des Todes.

Das andere Element will ich schauen, bewusst ins Gesicht, ins lichte,
ich berichtete bereits in einem anderen Gedicht darüber,
und bin überzeugt, dass es beugt mein Gemüt,
sich neigt zu mir auf dem Wege.

Ich bin ja zuvor schon gestorben im Leben,
was sollte es Schöneres geben als diese Vorwegnahme,
der Tod ist nichts Neues, der Tod schreckt mich nicht,
ich werde leben.

© Johannes Lichteruh, 2020

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