Das Festessen oder Hochzeitsmahl

Da sind mir alle Felle davongeschwommen,
als ich das vernommen, mein geliebtes Ägypten,
Ägypten wird klein und eng für mich.

Die Aufenthaltsgenehmigung krieg ich nicht verlängert
für ein ganzes Jahr,
ein Gefühl aus dem Bauch, das wehtut.

Manch einer hat es auch schon gesehen,
ich war auf der Suche, hier nach mir,
jetzt ist es vorbei, nun muss ich zurück nach Schengen,
in den Schengen-Raum, der mir verbaut ist seelisch.

Die Bürokratie hat mich verscheucht,
und mich deucht, es war kein Zufall,
Al-Sisi braucht Geld, die Wiedereinreise wird teuer.

„Rufen Sie die Polizei an,
sie soll mich verhaften,
im Gegenteil, kein Verlust!“

So gondelt man durch die Welt
und hat keine Lust zu sterben, ich sollte erben
die Tage der Freiheit umsonst.

Das zeigt Unwissen, und schärft sich ein auf dich
Führungsanspruch, die größte Zusammenarbeit mit mir,
hilfreich sein, ein Anschlag auf meine Freiheit,
es schränkt mich ein der Dursttreiber in der Wüste.

Das verschwindet
hinter einer Traumhochzeit
mit mir.

„Baby, ich bin hier!
Wir wollen nicht daran nagen,
sonst teilst du alle Sachen aus,
die dir gehören.“

„Mein Liebling, ich bin traurig,
und verschwiegen zugleich,
rege mich nicht auf!
Wer kommt heute Abend zum Essen?“

Aus der besseren Umwelt kommen,
grausig stationiert, Onkel und Tanten,
auch wenn die Not noch so gefährlich kommt,
I like it, es baut mich auf.

Ich bin traurig, Ägypten zeigt die Krallen mir,
die Furien der Beamten, Beamtinnen auf einer Leichenwiese,
die Stück für Stück abgetragen wird, der Arbeitstag ist nicht leicht,
zwischen Akten und Aktenordnern.

Ein vernichtendes Wesen, menschenverachtend die Politik,
der gleiche Maßstab, wie überall, der Beurteilung,
Al-Sisis Politik basiert auf Despotismus.

Despotie, keine Diplomatie,
wenn es auch Lügen sind wie im Westen,
gegenüber dem Volk.

Das Christentum war ein Tropfen auf den heißen Stein,
damals zu seiner Zeit,
es sollte noch lange so gehen wie heute in der Welt.

Amerika, und wird noch lange so gehen, ist nicht abzusehen, wie lange,
dieselbe Personenwaage wie in Europa,
wie zwei Reitstunden entfernt von hier mit dem Flugzeug.

Wenn mir einer schon solche Nachrichten bringt,
der Reiter durch den Wind,
wer hält das Kind in den Armen und schützt es?
Das Kind stirbt, das europäische Geschehen.

Das Eulen-Programm bleibt an,
die Weisheitsfindung braucht einen Mann,
baut ihn auf, mich.

Trotz alledem beschuldigt, nicht allein,
ich will ein Mensch sein
und kann es nicht.

Die Verantwortung fehlt mir allein fürs Ganze,
meine Frau lebte und wir wären ein Paar,
wär eine Chance gewesen.

Sie war intelligent und schön in ihrem Wesen,
eine Ausnahmeerscheinung,
ruhig und besonnen meinem Wesen ähnlich.

Verpasste Chance,
wird nicht wiederkommen,
in diesem Leben.

Hier war mächtig was los,
das voluminöse Ganze zwischen uns beiden,
die Gespräche, die Gefühle, die wir miteinander teilten.

Nun ist es vorbei, ihr Leben,
und ich betreibe diese Insel hier in Ägypten,
exterritorial, ich bin Deutscher.

Ich will Heimatgefühle züchten, aber es gelingt mir nicht,
das europäische Gesindel hindert mich daran,
ich meine nicht die Menschen, die mitfühlen mit mir.

Ich meine die oberen Zehntausend, die für das Chaos verantwortlich sind,
dieser Menschheit alles Geld verspricht,
denn alles, was Geld verspricht, ist ihnen heilig.

Soweit so künstlich gesprochen und am Tode gerochen nicht wirklich,
das Todesspiel immer weitergetrieben,
als wäre es eine Nichtigkeit, eine Billigkeit zum Zeitvertreib.

Mir fällt auch kein Gutachten ein, das das stillt, die Erkenntnis,
die Erkenntnisfähigkeit, die Wahrnehmung ganz intern seelisch,
die Psychologie versagt, es ist Krieg in den Köpfen,
wer will schon verlieren seinen Kopf?

Endlich draußen sein, aus den Bezügen,
das verbinde ich mit dem Ausland,
Ausländer sein wie ich außer Landes,
ich lasse mich nicht vertreiben,
ich wähle selbst.

© Johannes Lichteruh, 2020

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